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14

Jun

2013

„Zeige mir alle HC Strache-Fans aus Klosterneuburg": Facebook's Graph Search und dessen Auswirkungen auf die Privatsphäre

Seit gestern habe ich Zugriff auf Facebook's Graph Search – und kann nun die Brisanz dieser Suchfunktion dokumentieren, die vielen in ihrer Tragweite noch nicht bewusst ist …

Die Kernaussage: Nicht nur Freunde, sondern jeder Facebook User wird mit der neuen Suchfunktion transparent in all dem, was er auf Facebook postet, mit "Gefällt mir" markiert oder über sich verrät. 

 

Ein einfaches Beispiel für eine Suchanfrage zeigt, wie tief die neue Facebook-Suche in Bereiche aus der Privatsphäre hineinreicht: „People who are not my friends and like HC Strache and are from Klosterneuburg". [Fanseite und Ort nach Belieben austauschen]

Das Resultat: HC Strache Fans in Klosterneuburg - mit all ihren persönlichen Daten …

[Ich habe mich entschieden, Fotos und sensible Daten zu verpixeln – was nichts daran ändert, dass diese Informationen für jeden öffentlich zugängig sind, der dieselbe Facebook-Suche anstellt oder den daraus generierten Facebook-Link öffnet.]

Zeige mir alle HC Strache-Fans aus Klosterneuburg

Brisant? Ja!

In einem Maße, das noch kaum thematisiert wurde … Dem Missbrauch sind mit Facebook's Graph Search Tür und Tor geöffnet. Personen mit unliebsamen politischen Ansichten oder pikanten persönlichen Vorlieben können so leicht wie noch nie identifiziert werden. 

 

Mit Facebook ist es z.B. jedermann leicht möglich, FPÖ-Anhänger bei den ÖBB zu orten. Eva Glawischnig-Fans in der Polizei. Freunde meiner Freunde mit dem Beziehungsstatus „It's complicated“. Oder Fotos, öffentlich gepostet von HC Strache-Fans ("Photos by people who are not my friends and like HC Strache"):

Photos by people who are not my friends and Ilke HC Strache

Oder auch, als besonders pikantes Detail: die kompletten Profile von "Bang With Friends"-Fans, die auf der Suche nach sexuellen Kontakten in ihrem Netzwerk sind …

Ein Verstoß gegen den Datenschutz? Nein!

Facebook's Graph Search ist nur ein Tool, das Informationen sichtbar macht, die schon bisher für jedermann öffentlich einsehbar waren. Allerdings: In einer Selektionstiefe, die bislang nicht existierte. Das erlaubt neue Formen der Informationsgewinnung, die jedem Facebook User (und nicht nur der NSA) offen stehen. 


Die Graph Search umgeht in keiner Weise die getroffenen Privatsphäre-Einstellungen, wie schon Thomas Hutter Anfang Februar betonte. Doch: Jede Aktivität auf Facebook ist nun wesentlich leichter aufzufinden – öffentliche Postings und Fotos, aber auch alle „Gefällt mir“-Angaben, die allein schon ein präzises Persönlichkeitsprofil einer Person zeichnen.

 

Und nun? Was tun?

Mit dem Launch der Graph Search bewahrheitet sich, was ich bereits am 4. Februar auf Twitter postete:

Für alle, die sich noch nicht Gedanken über ihre öffentliche Reputation machten, ist es nun allerhöchste Zeit:

  • Werden Sie sich bewusst, dass soziale Netzwerke niemals rein privat sind!
  • Überlegen Sie sich, welches Bild Sie der Öffentlichkeit vermitteln wollen: Welche Interessen, Stärken und Überzeugungen wollen Sie öffentlich vertreten? Welche sollen privat bleiben?
  • Betreiben Sie Reputations-Management: Schärfen Sie Ihre Profile in sozialen Netzwerken im Hinblick auf das Profil, das Sie in der Öffentlichkeit vertreten können und wollen!
  • Säubern Sie Ihre gesamte Facebook-Historie von peinlichen oder kompromittierenden Aktivitäten und Likes!


Noch ist Facebook's Graph Search nur in der englischen Spracheinstellung freigeschaltet. Spätestens wenn sie auch in Deutschland und Österreich eingeführt wird, könnten Sie mit einigen unliebsamen Überraschungen konfrontiert werden …


Darum: Kümmern Sie sich um Ihre Reputation auf Facebook. Jetzt. 

 

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Kommentare: 12
  • #1

    Ed Wohlfahrt (Freitag, 14 Juni 2013 14:10)

    Hallo Günter, total wichtig, was du hier schreibst. Es soll später schließlich niemand sagen, er hätte davon nix gewusst. Ich hoffe, dass auch andere Medien (Print / TV) deinem Beispiel folgen und mit ihren Berichten zweierlei tun. Informieren und sensibilisieren.

  • #2

    Günter Exel (Freitag, 14 Juni 2013 14:13)

    Danke dir, Ed – freut mich besonders, wenn du das auch so siehst!

  • #3

    Thomas Thaler (Freitag, 14 Juni 2013 14:19)

    Stimmt natürlich alles, was du hier schreibst. Ich selbst finde aber, ein "Like" einer Fanpage heißt noch lange nicht "bin restlos begeistert", sondern eher in die Richtung "interessiert mich aus welchen Gründen auch immer"

    Politik ist da ein gutes Beispiel: finde es nicht verwerflich, wenn zB ein grüner Politiker Fan von HC ist (gilt natürlich in alle Farbenrichtungen)

    Ich selbst bin zB Fan von so gut wie allen politischen Gruppierungen. Schon alleine weil ich wissen möchte, was so manch Wahnsinnige auf FB so treiben ;-)

  • #4

    Ed Wohlfahrt (Freitag, 14 Juni 2013 14:34)

    da hast du wohl recht Thomas, dass ein Like eher ein "interessiert mich" ausdrückt. Seh ich auch so. Dennoch weise ich in SoMe Guidelines immer darauf hin, dass es kritisch ist, wem man auf Twitter oder Facebook folgt. Die Mitarbeiter müssen wissen, dass z.B. auf Twitter jeder sehen kann, welchen Accounts sie folgen. Wenn dann der Geschäftsführer mehreren Escort-Serivices "anhängt", wirft das ein mitunter bedenkliches Licht auf ihn und - und genau darum geh es in weiterer Folge - auf das gesamte Unternehmen.

  • #5

    Günter Exel (Freitag, 14 Juni 2013 14:35)

    Interessanter Punkt, Thomas – das wird nur nicht von allen so differenziert gesehen werden … Viele werden ein "Gefällt mir" wortwörtlich interpretieren.
    Ich sehe die Problematik auch gar nicht in den offenen Daten, sondern in der Art, wie damit umgegangen werden wird – besonders in Österreich mit seiner doch sehr "einfachen" Web-Mentalität. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen unterschiedliche politische Gesinnungen in staatsnahen Unternehmen echte Hemmschuhe waren …

  • #6

    Peter (Freitag, 14 Juni 2013 15:48)

    Ich finde die Zusammenfassung gut und wichtig. Ich finde es eher schade, dass jeder in Panik verfällt in der Öffentlichkeit er selbst zu sein und kein Profil zu zeigen.
    Wenn sich jemand daran stört zu lesen was ich mag oder kommentiere dann ist das sein Problem, aber gewiss nicht meines.

  • #7

    Günter Exel (Freitag, 14 Juni 2013 15:55)

    Stimmt, Peter. Ich habe es auch im Facebook-Posting schon erwähnt:
    Ich verstehe mich auf Facebook, Twitter, Google Plus & Co. prinzipiell als öffentliche Person. Damit beantworte ich die Frage, ob ich etwas posten soll, schon im Vorfeld – und habe im Nachhinein kein Problem, zu meinen Ansichten zu stehen.

  • #8

    Marco Riederer (Freitag, 14 Juni 2013 17:20)

    Ich sehe das ganze etwas differenzierter. Ich glaube auch, dass ein 'gefällt mir' noch lange nicht 'gefällt mir' bedeutet und dass dies leider sehr oft falsch interpretiert wird.
    Auf der anderen Seite nehmen wir uns teilweise sicher auch als Einzelperson viel zu wichtig. Ängste, dass nun weiß Gott wer leichter zu meinen Daten kommt, würde voraussetzen, dass es über jemanden gibt der weiß Gott wie interessiert an mir als person ist... und sein wir mal ehrlich: Bis auf wenige hochrangige politiker brauchen wir uns da nicht ausspioniert fühlen!
    Viel interessanter ist natürlich die Masse an Daten, die für Trendforschung, Werbung und soziodemographische Aussagen herangezogen werden kann.

  • #9

    Michael Rajiv Shah (Montag, 17 Juni 2013 07:50)

    Lieber Günter, hab Dank für Deine Anregungen. Die Tatsache, dass hier nur Fachleute antworten (sicher auch aufgrund Deiner Hintergrundmail) zeigt mir einmal mehr, dass unsere Arbeit Basisarbeit ist.

    Nein, ich finde diese Meldung nicht brisant. Denn logisch und klar ist es, dass unsere Daten und Interaktionen solche Spuren hinterlassen. Ich persönlich finde das sogar begrüssenswert. Die Befürchtung die ich habe ist, dass die Transparenz nicht zu mehr BewusstSein führt, sondern eher zur Abkehr vom Netz selber, weil klar wird, dass es 'Arbeit' und nicht nur FUN ist seine Reputation zu steuern.

  • #10

    Günter Exel (Montag, 17 Juni 2013 08:26)

    Lieber MiSha, ich musste lächeln, als du auf Facebook schriebst: „Angeregt von Günter Exel, der für SocialMedia Fachleute eigentlich nur einen "eh schon klar" Artikel zur baldigen Facebooksuche geschrieben hat …“

    Doch - die Meldung ist brisant. Eben nicht für die Fachleute. Aber für alle, die sich nicht tagtäglich mit den Hintergründen beschäftigen. Und damit praktisch für jeden …

    Ich stelle bei meinen Coachings immer wieder mal die Frage, wem das Wort "Edgerank" etwas sagt. Kennst du die Antwort? Stimmt: niemandem. Und ebenso ist es praktisch niemandem bewusst, dass er/sie auf Facebook nicht alle Postings sieht, sondern nur das, was durch den Facebook Filter kommt.

    Gerade deshalb bin ich auch zu 100% bei dir, wenn du in deinem Folgeartikel diesen Digital Gap thematisierst. Wenn du sagst, dass uns Facebook hier einen Spiegel unseres Bewusstseins vorhält. Auch ich finde: Es ist enorm wichtig, gerade jetzt das Bewusstsein zu stärken für die Spuren, die wir im Netz hinterlassen.

    Darum auch danke, dass du den Ball aufgenommen und in deinem Blog weitergespielt hast. Hier der Link für alle, die mit Michaels lesenswertem Artikel tiefer in die Materie eintauchen wollen: www.networkfinder.cc/facebook-googleplus/facebook-search-suche-angst-vor-transparenz-schafft-die-facebook-search-suchmaschine-bewusstsein/

  • #11

    Andreas Prokop (Montag, 17 Juni 2013 11:09)

    Vielen Dank Günter für diesen hervorragend Artikel!Ich persönlich erinnere meine Freunde und Kunden immer wieder auf dieses Thema. Der Facebook Privacy Watcher, hilft den ersten richtigen Schritt, in die Richtung "optimale" Privatsphäre zu machen.
    Herzliche Grüße.

  • #12

    Christoph Cecerle (Donnerstag, 08 August 2013 16:57)

    Toller Artikel! Bedenklich finde ich aber nicht die Möglichkeiten selbst, sondern vielmehr die Angst bzw Verängstigung, dass irgendwas subjektiv verwerfliches oder nicht angepasstes sichtbar werden könnte. Wo leben wir denn bitte? Jemand sucht sexuelle Kontakte? Pfui gacki! Es gibt in Klosterneuburg Strache Wähler? Überraschung! und nicht jeder, der mit einem Fan-Click eine Seite quasi aboniert ist ein Fan der Inhalte (Siehe Tom). Trotzdem, Aufklärung ist extrem wichtig, insbesondere bei der Jugend und den Eltern, die meist keinen blassen Schimmer vom Web haben. Well done Günter! Wenngleich Du eher einen politischen Wandel in eine überwachte und selbstdisziplinierte Gesellschaft beschreibst. Und das finde ich dann wirklich Pfui Gacki! Da click ich doch gleich "Bangwithfriends"!




Über Günter Exel


Günter Exel ist Marketing- und Social-Media-Berater aus Wördern. Als
erster Österreicher ist er Netzwerkpartner des deutschen Consulting-
Unternehmens Tourismuszukunft. Seit 2009 twittert er live von Events;
mit #TravelLive startete er die weltweit erste Echtzeit-Reisereportage.
Als offizieller Jimdo Expert betreut er auch Kunden im Webdesign.

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Mag. Günter Exel
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Tel. 00-43-699-10738718
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